Viele Katholiken sind verunsichert und verletzt. Viele spielen mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten.
Aber es gibt viele, die sagen: "Jetzt erst recht!" Sie erklären, warum sie gerade in dieser Situation in der Kirche gebraucht werden, oder sie schicken ein Foto als Zeichen der Solidarität und des Protests.
In den letzten, sehr aufregenden Tagen und Wochen, hat sich in vielen jungen Menschen innerlicher Druck aufgrund der persönlichen Betroffenheit über die Ereignisse in der Kirche sowie der Diskussionen in den Medien aufgebaut.
Nach den jüngsten Ereignissen ist es für mich aber an der Zeit, aus der Krise mit viel Elan durchzustarten, mit kreativen Ideen und neuen Ansätzen mitzuhelfen, gemeinsam aufzubauen statt abzuhauen.
Denn wir bleiben ...
... weil es Leute in der Kirche gibt, die uns tagtäglich Mut machen und uns stärken ...
... weil es gerade jetzt wieder jemanden braucht, der mit anpackt ...
... weil wir die Vielfalt der Kirche schätzen und Stärke wollen ...
Warum ich in dieser Kirche bleibe? Dafür gibt es viele Gründe. Der zentrale: Weil ich meine Kirche liebe, besonders meine Ordensgemeinschaft, die mir Heimat und Familie ist. Ich kann mir ein Leben ohne die vielen Menschen, mit denen ich meinen Glauben teilen darf, nicht mehr vorstellen.
Ich empfinde diese Liebe zur Kirche als großes Geschenk (=Gnade) und bin dankbar, dass Gott mir durch sie Geduld und die Fähigkeit zum Verzeihen schenkt, trotz aller Enttäuschungen und Verletzungen, die mir meine Kirche immer wieder zufügt.
In Tagen wie diesen reaktiviere ich eine Entscheidung, die ich schon vor Jahren gefällt habe: Ich gebe negativen Ereignissen in der Kirche und Konflikten rund um Personen keine Macht über meine Gefühlswelt. Und das ist mir bisher eigentlich auch gut gelungen. Gleichzeitig verfolge ich mit Interesse, was sich tut; aber Vorrang haben einfach mein Glaube an Gott, seine Botschaft und die vielen positiven Beispiele gelebten Glaubens in Geschichte und Gegenwart. Außerdem denke ich mir: Wenn die Kirche, die Jesus zum Fundament hat, so ist, wie sie ist, wie würde dann erst eine sein, die von mir ins Leben gerufen worden wäre? Wenn er keine andere Kirche hat, dann will ich auch keine andere.
Gerade habe ich vor einem belebten Geschäft hier im Ort Valentinstagbriefe verteilt. Meistens habe ich gesagt: "Grüß Gott! Darf ich Ihnen einen Geschenk zum Valentinstag mitgeben? Ein Gruß von der Kirche." Meine Befürchtung war, dass es aufgrund der derzeitigen Diskussionen um die Kirche zu kritischen Anfragen kommen würde nach dem Motto "Kirche - nein danke". Meine Erfahrung war eine andere: Das Stichwort "Geschenk" hat viele nicht überzeugt. Geschenke bekommt man viele am Valentinstag. Bei "von der Kirche" haben viele überrascht geschaut und den Brief dann dankend entgegengenommen. Kirche hat bei den Menschen nach wie vor eine wichtige Rolle in ihrem Leben.
Die Menschen haben an die Kirche hohe Erwartungen, sie sehnen sich nach einer frohen Botschaft. Ich bleibe in der Kirche und ich arbeite gerne für die Kirche, weil ich den Menschen diese Frohe Botschaft mitteilen will. Wenn Ärger und Frust da sind, will ich ihn mit den Menschen teilen. Sorge und Ärger über die Kirche zu äußern zeigt ja, dass sie nicht wurscht ist.
Derzeit gibt es vieles, was mich an der Kirche ärgert und traurig macht. Kirche ist aber mehr, vor allem eine Gemeinschaft von Suchenden nach Gott, die mir Halt gibt. Diese Gemeinschaft werde ich nicht verlassen.
Auch ich bin katholisch und auch ich habe meinen Platz in der Katholischen Kirche, den lass ich mir nicht einfach so nehmen. Es gibt so coole Projekte in der Kirche und ich hab noch einige Projekte vor, so einfach möchte ich die Menschen, die genauso an diesen Projekten arbeiten, nicht allein lassen. Denn die Kirchenaustritte treffen nicht die Bischöfe, sondern sie treffen immer die Basis.
Kirche mag manchmal echt ätzend sein, und manchmal fühlt man sich auch nicht verstanden, aber ohne sie hä tte ich nicht so viele Projekte kennengelernt, so viele Menschen ins Herz geschlossen und soviel Buntheit gesehen. Ich bin froh, ein Teil der Kirche zu sein, denn nur so kann ich etwas bewegen und verändern. Und einiges ist ja in den letzten Jahren geschehen. 72 Stunden ohne Kompromiss, find fight follow, die Jugendkirche, um nur ein paar Beispiele zu nennen, das alles möchte ich nicht aufgeben.
Diese Kirche ist meine persönliche geistige und geistliche, aber auch ein Teil soziale Heimat. Sie leistet soviel Positives (sozial, politisch, spirituell, Seelsorge - im besten Sinn des Wortes, Kinder- und Jugendarbeit...), dass Aussagen wie diejenigen des neuernannten Weihbischofs und mangelnde Fehlerkultur im Vatikan zwar ziemlich wehtun, aber eigentlich nicht die Aufmerksamkeit verdienen sollten, die sie bekommen.
Außerdem: wenn alle kritischen Geister die Kirche verlassen, wer kann dann in Zukunft noch von einer Insiderperspektive aus gescheite Argumente bringen und wer zeigt dann noch auf, wofür die Kirche "eigentlich" steht.
ja, warum bleiben?
einfach weil kirche viel mehr ist als ein paar betuchte, abgehobene, ahnungslose, einflüsterer. bekanntlich führen ja alle wege nach rom, nur dort geht dann nichts mehr weiter. der arme papst, kann ich nur sagen, denn dass das alles auf seinem mist gewachsen ist, kann ich mir echt nicht vorstellen, so vernebelt kann der ehemals fortschrittliche konzilstheologe ja nicht sein - also muss es leute rundherum geben, die aus heilloser angst um die vorherrschaft der kirche einfach auf der bremse stehen.
aber was solls: wir lassen es uns nicht verdrießen: komm lass dich nicht verhärten, sang schon vor urzeiten wolf biermann und der muss ja wissen, was auch wir wissen: auf dauer können einige wenige alte männer niemanden dran hindern, längst baufällige alte mauern niederzureißen.
die sanften revolutionen laufen schon. dechanten erschrecken nicht länger in dieser schreckenszeit und alle wunderbaren frauen und männer, die der kirche an der basis ein so menschliches gesicht geben, werden davon ermutigt, nicht mehr zu schweigen. und die, die sich voran stellen und den mund aufmachen, die brauchen ermutigung. sie sollen das gefühl haben, dass viele hinter ihnen stehen und das nicht als spalter, sondern einzig und allein aus sorge und liebe um unsere kirche.
Ich bleibe, weil ich davon überzeugt bin, dass es gerade jetzt uns kritische Christinnen und Christen innerhalb der Kirche braucht, um Jesu Botschaft glaubwürdig an die nächsten Generationen weitergeben zu können. Auch Jesus hatte den Mut "anzuecken", um uns Gottes Botschaft der Liebe zu vermitteln, die immer größer ist als menschliche Gesetze.
Wenn ich mich bemühe, das Zentrum unseres Glaubens - die Liebe zu Gott, zum/zur Nächsten und zu mir selbst - im Auge zu behalten, dann gelingt es mir kirchenpolitische (menschliche) Fehlentscheidungen zwar ernst zu nehmen, aber gelassener zu sehen.
Als diözesane Umweltbeauftragte liegt mir der Umgang mit unserer Lebenswelt sehr am Herzen. Es erscheint mir wichtiger und lebens-not-wendiger, unseren christlichen Schöpfungsauftrag innerhalb der Kirche, in Pfarren und uns Christinnen und Christen bewusst zu machen bzw. konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen (www.autofasten.at), als mich aufgrund von subjektiven, unüberlegten Meinungsäußerungen oder päpstlichen Fehleinschätzungen enttäuscht zurückzuziehen.
Ich bin überzeugt, dass eine Kirche der Vielfalt in der Einheit der Nachfolge Jesu nur von "unten", von uns Christinnen und Christen selbst kommen kann, indem wir den Mut haben uns dem innerkirchlichen Diskurs zu stellen, bis die "kritische Masse" für eine Veränderung erreicht ist (siehe 2. Vatikanisches Konzil).
In der Liebe Christi bleiben (Joh 15,9-10) und damit in der Liebe Gottes bleiben, von der uns nichts scheiden kann (Röm 8, 35ff.), das heißt für mich auch zu seiner konkreten, sichtbaren Gemeinschaft stehen, die immer eine durch die Zeit wandernde Pilgerin bleibt, die zugleich eine Gemeinschaft der Heiligen und der Sünder, also eine von Gott geliebte, "gemischte Kirche" ("ecclesia mixta") und keine puristische Superrasse aus "Übermenschen" ist; das heißt: eben dann zu dieser Kirche stehen, die "eine komplexe Wirklichkeit ist" (LG 8,1), wenn es (wieder) einmal nicht brüderlich bzw. geschwisterlich und harmonisch, sondern irritierend-stürmisch in ihr zugeht. Ich glaube fest, dass ER, dem die Kirche gehört ("kyriake"), sie in seiner Treue zu uns Menschen nicht fallen lässt, sondern durch alles Widergöttliche in ihr und außerhalb ihrer selbst hindurch erneuern und umgestalten will!