Berufsgemeinschaft der pastoralen Mitarbeiter der Diözese Eisenstadt

Dem Aggiornamento des Zweiten Vatikanischen Konzils Raum und Gestalt geben!

Als Getaufte und zur Mitarbeit am Reich Gottes Berufene sind wir über die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der "Priestergemeinschaft St. Pius X." (fortan FSSPX) sehr besorgt. Unser Gewissen rührt sich; wir können nicht stumm bleiben. Dabei geht es uns nicht in erster Linie um die medial breitgetretene Holocaust-Leugnung von Rev. Williamson; wer in Dachau oder Mauthausen war, ist da sprachlos angesichts der unvorstellbaren Qualen, die Millionen von Menschen, großteils Juden, erlitten haben. Im Hinblick auf Papst und Kirche dürfen wir uns nicht von jener Holocaust-Debatte (wer wusste wann was) hypnotisieren lassen; sie ist unfassbar, und doch betrifft sie nur die Spitze des Eisberges.

Viele katholische Theologen/innen, Priester und Bischöfe haben bereits ihre "Sorgen über den gesamten Eisberg" zum Ausdruck gebracht, die wir teilen: es geht um das Antlitz der Kirche Jesu Christi. Jene Männer der FSSPX leugnen und bekämpfen wesentliche Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils wie das Ökumenismusdekret "Unitatis redintegratio", die Erklärung zu den nichtchristlichen Religionen "Nostra Aetate", die Erklärung zur Religionsfreiheit "Dignitatis humanae" sowie die pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute "Gaudium et spes". Sie übten ihre priesterlichen Tätigkeiten im Umkreis von Diktatoren aus, Politiker des rechten Lagers sind bekennende Mitglieder. Unter den vielen kritischen und besorgten Stimmen soll jene von Kardinal Lehmann zu Wort kommen:

"Es ging ihnen (den Traditionalisten) im Kern um inhaltlich-dogmatische Fragen. Vor allem waren sie strikt gegen "Dignitatis humanae", die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit, sie konnten sich damit nie abfinden ... Die Lefebvre-Leute haben sich mit der Botschaft des Konzils, dass es in Glaubensfragen keinen Druck geben dürfe und die Kirche auf weltliche Machtansprüche verzichtet, niemals abgefunden. ... Sie stehen teilweise in der Tradition der "Action francaise", jener radikal nationalistischen Bewegung, die in Frankreich um 1900 herum entstanden war, nach der Dreyfus-Affäre. Diese Bewegung gab sich militant katholisch, war monarchistisch und antisemitisch, weswegen sie Pius X. schon 1914 für nicht vereinbar mit der katholischen Religion erklärt hatte."

Ohne jedes Anzeichen von Reue, Buße oder Umkehr hat Papst Benedikt XVI. ihre Exkommunikation am 21.1.2009 aufgehoben. Die Antwort von Generaloberen Rev. Fellay spricht für sich. Es gibt kein Zeichen der Demut, kein Zugeständnis an das Konzil, sondern mit "kindlicher Dankbarkeit" äußert er den nächsten "Wunsch": "dem Papst immer mehr helfen zu können, die Heilmittel für die Krise, die gegenwärtig die katholische Welt erschüttert, anzuwenden." Die Traditionalisten halten weiterhin an ihren Vorbehalten gegen das Konzil fest.

Warum setzte der Heilige Vater solche Zeichen, die schmerzliche Zwietracht erzeugen? Warum werden den Traditionalisten - um den Preis der Einheit - Personalprälaturen mit Sonderrechten und Privilegien zugestanden, wie es z.B. 2002 mit der "Apostolischen Personaladministration St. Johannes Maria Vianney" in Rio de Janeiro oder 2006 mit dem "Institut vom Guten Hirten" von Philippe Lagueries, einer altritualistischen Gesellschaft des Apostolischen Lebens päpstlichen Rechts, geschah.

Viel Staub wurde bereits während der letzten Jahre aufgewirbelt, und wir sehnen uns nach einem Wind, der den Horizont wieder reinigt und nach einem wirklichen Zeichen "väterlicher Einfühlsamkeit". Barmherzigkeit ist doch Kern der Frohbotschaft und niemand wird dagegen sein! Im Gleichnis vom barmherzigen Vater wartet jener sehnsüchtig auf den verloren geglaubten Sohn. Endlich kommt er und bittet: "Vater, hab Erbarmen!" Welche Freude! Welche familiäre Einheit! Die Männer der FSSPX hingegen kommen um zu fordern: "Vater, wir wollen alles und nach unserem Willen!"

Wir spüren in der momentanen Situation der Kirche unsere Mitverantwortung für das Reich Gottes als Ort des Friedens und der Fülle, als Raum des Dialogs zwischen allen Menschen guten Willens und können nicht teilnahmslos und stumm bleiben.

Wir bekennen uns zur "Kirche als Volk Gottes unterwegs", gemeinsam mit Papst und Hirten, die Zeichen der Zeit erkennend und auf Gott vertrauend, der mit dem gesamten Volk unterwegs ist.

Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe. Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit aufgrund von Rasse und Volkszugehörigkeit, sozialer Stellung oder Geschlecht; denn "es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau; denn alle seid ihr einer in Christus Jesus" (Gal 3,28 griech.; vgl. Kol 3,11). LUMEN GENTIUM Nr. 32

Voller Hoffnung auf Einheit in Geschwisterlichkeit grüßt in diesem Geist des Evangeliums und des Konzils,
für den Vorstand der BG

Mag. Gustav Krammer Vorsitzender der Berufsgemeinschaft der pastoralen Mitarbeiter/innen der Diözese Eisenstadt
Eisenstadt, 10.2.2009