Vorstand der IG LaientheologInnen

Liebe Mitglieder der Interessensgemeinschaft!

Das Gefühl unserer Mit-Verantwortlichkeit für die Kirche von Oberösterreich drängt uns vom Vorstand der IG LaientheologInnen, zur Ernennung von Dr. Gerhard M. Wagner zum Weihbischof Stellung zu nehmen.

Sehr befremdlich finden wir die Vorgehensweise, wie es zu dieser Ernennung gekommen ist. Anscheinend wurde der Vorschlag, den unser Ortsbischof in Rom unterbreitet hat, für null und nichtig erachtet. Stattdessen wurde irgendwelchen römischen Seilschaften Gehör geschenkt. Das stellt eine massive Brüskierung des Ortsordinarius, aber auch des Domkapitels sowie der gesamten Diözese dar. Auch wenn kirchenrechtlich der Papst an Vorschläge nicht zwingend gebunden ist, zeugt die Vorgangsweise von nicht allzu großer Wertschätzung für die Kompetenz der Entscheidungsträger vor Ort.

Zudem stoßen einige in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Äußerungen und Standpunkte von Dr. Wagner - ungeachtet seines Rufes als fleißiger Seelsorger - sehr viele KatholikInnen vor den Kopf. Angesichts dessen, was sie hier über mutmaßliche Hurrican-Ursachen, vermeintlich antichristliche Inhalte von Harry-Potter-Romanen oder die Nichtzulassung von Ministrantinnen hören oder lesen, befürchten sie, dass ihre Hirten sich von ihren Nöten und den Fragen der Zeit immer mehr entkoppeln.

Man kann nur hoffen, dass diese Ernennung keine größere Kirchenaustrittswelle zur Folge hat. Wir halten es hier mit Margit Hauft, die dazu aufgerufen hat, "aufzutreten und nicht auszutreten". Wir wollen dort, wo es in unserem Einflussbereich liegt, jene Kirche Christi verwirklichen, die sich den Grundsätzen des II. Vatikanum verpflichtet weiß. Wir rufen alle Bischöfe, alle Amtsträger und alle ChristInnen guten Willens dazu auf, diese Grundsätze auch in die heutige Zeit umzusetzen. Immerhin sind seit dem Konzil schon über 40 Jahre vergangen und die Zeit ist nicht stehen geblieben!

Wir beten und treten aber auch aktiv dafür ein, dass sich in unserer Diözese das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Laien und Klerus, das sich in den vergangenen Monaten schon gezeigt hat, noch verstärken wird. An dieser Solidarität mögen all jene Ansichten und Bestrebungen zerschellen, die nicht im Geist Jesu Christi "der Freude und Hoffnung, der Sorge und der Angst der Menschen von heute" (vgl. GS 1) Rechnung tragen.

Wir werden die Entwicklung rund um die Ernennung von Dr. Wagner zum Weihbischof genau verfolgen und beobachten, wie er sein Amt ausübt. Seine bisherigen Äußerungen lassen noch wenig Konsensorientierung erkennen. Aber auch ihm muss die Chance gegeben werden, sich in sein neues Amt einzuleben.

Abschließend legen wir Wert auf die Feststellung, dass uns keine wie auch immer gearteten Entscheidungen von kirchlichen Amtsträgern daran hindern können, Kirche Gottes zu sein und im Heute zu leben. Das Austragen von Konflikten ist manchmal mühsam und ermüdend. Doch ist es unsere Berufung und unserer Beauftragung, das befreiende Evangelium Jesu Christi im Hier und Jetzt zu verkünden und als Teil seiner umfassenden - katholischen - Kirche Gemeinschaft zu stiften und zu leben.