Viele Katholiken sind verunsichert und verletzt. Viele spielen mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten.
Aber es gibt viele, die sagen: "Jetzt erst recht!" Sie erklären, warum sie gerade in dieser Situation in der Kirche gebraucht werden, oder sie schicken ein Foto als Zeichen der Solidarität und des Protests.
Der Schwechater Dechant Gerald Gump findet in einem Standard-Interview mit Hans Rauscher scharfe Worte zur Kirchenkrise und empfiehlt Benedikt XVI., sich an Obama ein Beispiel zu nehmen
"Rom kann von Washington lernen", meint der Schwechater Dechant Gerald Gump zu den aktuellen "Fehlern" der katholischen Kirche. Im Gespräch mit Hans Rauscher würde er sich von Papst Benedikt XVI. wünschen, dass dieser wie US-Präsident Obama klar sagt, dass er einen Fehler gemacht habe und diesen auch wieder zurück nimmt. Konkret meint Gump damit die Bestellung des umstrittenen Weibischofs Gerhard Maria Wagner in Linz und die Rehabilitierung von Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson.
Nachdem die Mehrheit der Dechante in der Diözese Linz sich gegen Wagner - für den Schwechater Geistlichen "ein theologisch höchst einseitiger Mann aus einer restaurativen Kleingruppe"- ausgesprochen haben, meint Gump in Richtung des designierten Weihbischofs: "Ich würde mir schon überlegen, ob ich das Amt antrete, wenn das Vertrauen von der Kirche, die sie wirklich lebt, fehlt".
Gump ist Gründungsmitglied der "Pfarrer Initiative", einer "Bewegung gegen das Zusperren von Pfarren". Als solches findet er den Zölibat zwar gut, würde sich auf Grund des Priestermangels jedoch wünschen, dass man über dieses kirchliche Gesetz hinwegsieht, um das kirchliche Leben in den Gemeinden weiter zu ermöglichen.
"Krank" sind für Gump die Aussagen von Seiten mancher Geistlicher, wonach Homosexualität "heilbar" sei. Er selbst habe einen Homosexuellen in seiner Gemeinde, und er würde sehr gut verstehen, wenn dieser aus der Kirche austreten würde. Warum man nach den vielen negativen Berichten nicht aus der Kirche austreten soll? Der Dechant bemüht einen Vergleich: Es gäbe von vereinzelten Europapolitikern immer wieder antieuropäische Aussagen, deshalb müsse man sich aber das eigene Europäer-Sein nicht nehmen lassen.