Mit frechen T-Shirts gegen die Kirchenkrise

Im Minutentakt posten Jugendliche T-Shirts, mit denen sie ihrem Ärger über die Kirchenkrise Luft machen, und deponieren, warum sie trotzdem der Kirche treu bleiben wollen. Angesichts der positiven Entwicklungen ist der Webauftritt seit heute unter der Adresse www.aufbauen-statt-abhauen.at zu finden.

"Auf der Homepage kann man mit kreativen Sprüchen virtuelle T-Shirts beschriften", so Stephan Bazalka, der die Idee zu der ungewöhnlichen Aktion hatte. "Durch ein Online-Voting werden die drei besten Sprüche ausgesucht, mit denen anschließend eine große Zahl an T-Shirts bedruckt wird."

Bald könnte man also Jugendliche mit T-Shirts wie "Linz darf nicht St. Pölten werden", "Glaubensschwester statt Piusbruder" oder "Kein Ja und Amen zu Kirchen-Dramen" auf den österreichischen Straßen sehen.

Mit großer Erleichterung haben die Initiatoren der Internet-Plattform den Verzicht von Gerhard Maria Wagner aufgenommen. "Wagner gebührt großer Respekt für diese Entscheidung. Größte Hochachtung gebührt aber Kardinal Schönborn und den anderen österreichischen Bischöfen, die in den letzten Tagen nichts unversucht gelassen haben, um einen Ausweg aus der Krise zu finden", so die Geschäftsführerin der Katholischen Jugend Wien, Nina Sevelda.

Die Zugriffszahlen auf die provokante Homepage haben die Befürchtungen der Initiatoren eindrucksvoll belegt. "Wir hatten innerhalb weniger Stunden tausende Zugriffe auf die Seite, im Minutentakt wurden neue T-Shirts gepostet und Statements hinterlassen", berichtet Initiator Stephan Bazalka.

Doppeltes Zeichen der Solidarität

"Wir wollen damit ein doppeltes Zeichen der Solidarität setzen", berichtet Nina Sevelda, Geschäftsführerin der Katholischen Jugend Wien. "Wir wollen den Menschen, die sich angesichts der derzeitigen Situation ohnmächtig und verzweifelt fühlen, zeigen, dass wir ihren Ärger ernst nehmen und dass der auch deutlich artikuliert werden darf." Die Solidarität gelte aber auch der Kirche. "Auch wenn viele Menschen zutiefst verletzt sind, sind wir überzeugt, dass die Kirche vor Ort unglaublich viel Gutes bewirkt und dass unser Einsatz dringend gebraucht wird."

Auf www.aufbauen-statt-abhauen.at finden sich deshalb neben den T-Shirts auch zahlreiche Stellungnahmen zu den aktuellen Ereignissen, die ermutigen sollen, gegen die untragbaren Zustände anzukämpfen und nicht aufzugeben. "Wenn wir die Kirche den Piusbrüdern überlassen, hat niemand etwas davon", so Sevelda.

"Wir sind uns bewusst, dass die Ausdrucksweise in manchen Ohren sehr deftig klingt", gesteht Florian Unterberger, Sprecher der Initiative. "Wir sind aber zur schmerzlichen Überzeugung gekommen, dass nur eine deutliche Formulierung den Jugendlichen zeigen kann, dass wir ihren massiven Frust ernst nehmen und nicht unter den Teppich kehren."

"Homepage hat mir Mut gemacht"

Die Nachrichten der Jugendlichen bestätigen, wie dringend notwendig ein derartiges Ventil ist. Michael Gansterer, 26-jähriger Oberministrant aus Wien, schreibt: "Ich war echt kurz davor auszutreten. Mit der Initiative wurde mir aber klar, dass sich ganz viele in der Kirche darüber ärgern und nicht damit abfinden. Das hat mir Mut gemacht!" Alexander, ein anderer User, bedankt sich für die "tolle Möglichkeit, sich konstruktiv Luft zu verschaffen".

Für manche dürfte die Initiative zu spät kommen. In einem E-Mail an die Organisatoren heißt es: "Danke für ihre Aktion. Für mich leider zu spät, ich bin vorige Woche ausgetreten." Derartige Rückmeldungen ermutigen die Betreiber, die Website weiter anzubieten. "Die Wut hat sich großteils gelegt, das Anliegen, Kritik zu äußern, gibt es aber weiter", berichtet Sprecher Florian Unterberger. "Dass es überhaupt zu solchen Berufungen kommen kann, ist nach wie vor ein ungelöstes Problem. Auch die angestrebte Wiederaufnahme der Piusbruderschaft wollen die Katholiken nicht einfach so hinnehmen."

Ab heute ist die Internet-Plattform unter der Adresse www.aufbauen-statt-abhauen.at zu erreichen. Man habe sich nämlich entschlossen, die bessere Stimmung auch in einer geänderten Internetadresse zum Ausdruck zu bringen. "Wem aber nach wie vor zum Speiben zumute ist, erreicht sie natürlich auch weiter unter der alten Adresse", so Unterberger schmunzelnd.

Fotos von Bildagenturen

Kardinal Schönborn mit T-Shirt (© APA)

Jugendliche vor dem Wiener Stephansdom (© Kathbild)

Übergabe des T-Shirts an Kardinal Schönborn (© Kathbild)

 

Freie Fotos

Die hier angebotenen Fotos können in Zusammenhang mit der Aktion "aufbauen-statt-abhauen.at" (vorher "trotz-speiben-bleiben.at") honorarfrei verwendet werden.

Jugendliche vor dem Wiener Stephansdom

... Dom St. Nikolaus in Feldkirch

... Dom St. Ägidius in Graz

... Dom Mariä Himmelfahrt in St. Pölten

... Dom St. Jakob in Innsbruck